Take me home, country roads…

Hier bin ich also wieder, am Frankfurter Flughafen, wo alles vor 10 Monaten begann. Wisst ihr, im Flugzeug von Birmingham nach Frankfurt hatte ich bereits einen groben Plan für die Einleitung dieses Eintrags erstellt und mein nächster Satz hätte beinhaltet, dass ich genau wie im August letzten Jahres gehetzt einen kleinen Eintrag schreibe, schon in der Schlange zum Boarding für den Anschlussflug. Das wäre sicherlich auch richtig gewesen, hätte mein erster Flug nicht ungefähr 2 Stunden Verspätung gehabt, wovon meine ohnehin schon knappe Umsteigezeit von einer Stunde in Frankfurt natürlich aufgebraucht wurde und ich daher meinen nächsten Flug verpasste. Und könnt ihr euch meine Freude vorstellen, als durchgesagt wurde, dass ich auf das nächste Flugzeug nach Leipzig bis 22:05 Uhr warten müsse. 22:05 Uhr! Dazu sollte ich eventuell erwähnen, dass ich planmäßig bereits kurz vor 6 angekommen wäre und meine Familie daher auch schon am Leipziger Flughafen wartete, als ich gerade erst in Frankfurt angekommen war. Das bedeutete 4 Stunden Wartezeit für mich. Ich hätte echt weinen können und war einige Minuten lang wirklich wütend, doch mittlerweile, einige Stunden und ein langes Skypegespräch mit Carolina später, versuche ich, es mit Humor zu nehmen.

In der Zwischenzeit habe ich mir ein Abendessen mithilfe des 10-Euro-Gutscheins, den ich als Entschädigung von Lufthansa erhalten habe, besorgt (Burrito und eine Flasche Wasser, konnte nichts anderes finden; der Burrito hat definitv nicht so gut wie die englischen geschmeckt!) und eine lange Zeit mit Carolina geskypt, was mir die Wartezeit gut vertrieb. Nachdem ich nun zum dritten Mal am heutigen Tag durch den Security Check bin, sitze ich jetzt hier am Gate und warte auf das Boarding. 

Was euch aber wahrscheinlich mehr interessiert als meine Nörgelei, ist mein Abschied von meiner Gastfamilie am heutigen Morgen. Auch heute fühlte es sich nicht an, als würde ich England wirklich verlassen, daher gab es glücklicherweise (abgesehen von einem kleinen Traueranfall im Flugzeug) keine Tränen. Wie in meinem gestrigen Eintrag erwähnt, hatten wir ja diese wirklich hübschen Fotos im Pub gemacht und da meine Gastfamilie ein ganzes Regal mit eingerahmten Bildern von und mit anderen Schülern hat, dachte ich, ich organisiere ebenfalls einen Bilderrahmen. Diesen hatte ich bereits am Mittwoch gekauft, doch das passende Foto fehlte mir noch bis gestern, daher machte ich mich heute, nachdem ich kurz vor 7 aufgewacht war, ganz klammheimlich auf den Weg zu ASDA (ein Hurrah auf ASDA, welches schon um 7 öffnet!) und druckte die entsprechenden Bilder aus.

Mein Plan ging auf – keiner schien meine Abwesenheit bemerkt zu haben, also schlich ich wieder in mein Zimmer, wo ich das Bild zuschnitt und in den Rahmen einsetzte, weitere ausgedruckte Bilder für einen winzigen Tischfotokalender aufklebte und meine selbstgebastelte Karte schrieb. Es war fast um 9 bis ich damit fertig geworden war, nun wollte ich noch schnell mein Zimmer staubsaugen und zumindest die Regale auswischen, wodurch mir am Ende kaum noch 15 Minuten blieben, um meiner Gastfamilie meine Geschenke (Bilderrahmen, Kalender, Karte und ein kleines Schildchen mit einem Spruch über Tee, da meine beide Gasteltern und mein Gastbruder den über alles lieben) zu überreichen. Sie schienen sich zu freuen und auch für mich gab es ein Geschenk, welches ich allerdings erst zu Hause öffnen darf, wie mif gesagt wurde.

Punkt 10 Uhr, wie zuvor vereinbart, stand unser Area-Coordinator Karon vor der Haustür, wodurch keine Zeit für lange Verabschiedungen blieb – jeder wurde einmal umarmt (abgesehen von Thea, wir winkten nur 😂) und schon saß ich in Karons Auto. Wie gesagt, wirklich traurig war ich in diesem Augenblick nicht (ist aber auch besser so!) und selbst wenn es mir jetzt langsam dämmert, ich weiß ja, dass ich gern zurückkommen würde, denn wie man so sagt: “Abschied ist nur schön, wenn es ein Wiedersehen gibt”(oder so).

Karon war auf der Fahrt überraschend gesprächig und lenkte mich dadurch sehr effektiv ab, es war außerdem recht interessant, einmal ihre Sichtweise auf Into und das ganze Programm als Area-Coordinator zu hören. 

Trotz meines sehr spontanen Pakets am gestrigen Abend wog mein Koffer 24,5kg, womit ich 1,5kg Übergewicht hatte, doch glücklicherweise ließ man mir dies ungestraft durchgehen. Ich bin nur froh, dass man mein Handgepäck nicht gewogen hat, das ist nämlich enorm schwer (was meine Schultern nun auch lautstark bejahen, nachdem sie das Teil praktisch den ganzen Tag durch die Gegend geschleppt haben).

Im Übrigen habe ich mich während meines allerersten Fluges ohne jegliche Begleitung, was ich irgendwie zuvor als sehr reizvoll empfand, mehr wie ein Packesel, der unter seinem Gewicht fast zusammenbricht, als wie eine elegante, selbstständige Businesslady gefühlt (wie meine Mum vorgeschlagen hatte). Insbesondere, weil ich für jeden einzelnen der drei Security-Check erneut meinen gut verpackten Laptop von ganz unten aus meinem Handgepäck hervorwirschen musste, nur um ihn dann kurz darauf ebenso gewaltsam wieder hineinzuquetschen 😀.

Nun ist es tatsächlich fast Zeit für’s Boarding, fingers crossed, dass dieser Flug zumindest pünktlich ist! Freue mich jetzt wirklich auf meine Familie!

 

 

Tell the world I’m coming!

Heya,

es ist bereitskurz vor Mitternacht und ich möchte morgen nicht allzu spät aufstehen, also werde ich mich diesmal tatsächlich kurzhalten! Heute, der 9. Juni, ist mein letzter Schultag und ganzer Tag in England gewesen.

In der Schule gab es etliche Verabschiedungen, die ersten von Mr Pearson, meinem Tutor, und meiner Tutor Group, mit einer (sehr kurzfristig) organisierten Karte, welche von mir mit einer ebenso kurzfristig verfassten “Thank You”-Karte beantwortet wurde (die übergab ich allerdings erst, als alle anderen Schüler schon gegangen waren, alles andere wäre zu peinlich gewesen 😅). Es folgte mein allerletzter Assembly (über Choices und Opportunities und all das übliche Taram) und anschließend Mathe in Period 1 – ein letztes Mal mit meiner Banknachbarin Amy über Differentiation und vieles Anderes diskutieren -, woraufhin ich meine zweite Karte, adressiert an meine beiden Mathelehrer, da deren Unterstützungen und Motivation wirklich großartig gewesen ist, überreichte, erneut ganz am Ende der Stunde, als eine jüngere Klasse schon darauf wartete, einzutreten.

In P2, Media, tauschten Elita, Louise und ich uns darüber aus, dass es sich wirklich merkwürdig anfühlt, dass dies mein letzter Tag sein sollte. Elita meinte darum einfach, als sie mich später am Ende der Mittagspause umarmte, “See you Monday” 😀. Abgesehen davon, da der Batmanfilm, den wir hatten schauen wollen, dank Probleme mit den Lautsprechern nicht wirklich zu verstehen war, geschah in der Stunde nicht viel. Sehr überraschend und sehr liebenswürdig fand ich es aber, dass selbst Mr Mieszkan, der Lehrer, den ich immer am wenigsten leiden konnte, mich sehr freundlich verabschiedete (nicht allerdings, bevor er mir einige der gefürchteten Fragen wie, “Was war das beste an diesem Austausch?”, “Was hast du gelernt?” etc. gestellt hatte, doch ich verzeihe ihm das) uuund mir sogar eine Copy des Buches, welches wir gerade erst für Y13 begonnen hatten, “The Great Gatsby”, schenkte, da ich anmerkte, dass ich es noch nicht beendet hatte, dies allerdins gern in Deutschland nachholen würde. Echt lieb!

Während Break gab ich eine Runde Süßigkeiten für mein Squad aus, wie ich zuvor versprochen hatte und in meiner anschließenden Study beabsichtigte ich, endlich das Ende von Footloose, was ich heute ja unbedingt zu Amy zurückgeben musste, zu schauen und meine restlichen Karten für meine Photography-Lehrer Ms Tarling-Sturt und Mr McCulla (plus Ms Pearn, sie hatte ich allerdings nur einmal aller zwei Wochen), sowie meine Mädels zu schreiben. Ich kam während der letzten Tage wirklich etwas unter Zeitdruck – das Kofferpacken erwies sich als zeitaufwendiger als erwartet, daher war mir das bisher noch nicht gelungen. Doch natürlich, *natürlich* musste es genau heute einen finalen Probefeueralarm geben, und das während P3.

Letztendlich belang es mir, sowohl meine Karten zu schreiben, als auch Footloose zu schauen und nachdem ich mir schnell ein letztes Ham&Cheese-Panini von der Kantine geholt hatte und meine Geschenke eingetütet hatte, eilte ich zum Upper Study Room, wo meine Gruppe normalerweise in den Pausen sitzt, und teilte meine Abschiedsgeschenke aus: Lederarmbänder (man könnte sie wahrscheinlich Freundschaftsarmbänder nennen) für uns alle, eine kleine persönliche Karte und Buenos (immer gut!). Alle schienen sehr angetan zu sein und ich umarmte jedermann nacheinander. Kurz darauf übergaben sie mir dann mein Abschiedsgeschenk – das Scrapbook, welches ich ihnen zum Füllen gegeben hatte – und übertrafen weit meine Erwartungen mit all der Arbeit, die darin geflossen sein musste! Ich hatte kaum Zeit, mir alles in Ruhe anzusehen! Das werde ich dann in Deutschland machen! Draußen schossen wir nun noch ein paar letzte Gruppenfotos (und ließen einige machen).

 

Grace und Jana hatten in P5 leider Unterricht, also umarmte ich beide noch einmal, bevor Amy, Laura und ich uns registrierten (erneut, ein letztes Mal) und dann die Schule hinter uns ließen (eines der wenigen Male, dass ich das getan habe) und zu einem naheliegenden Park schlenderten, wo wir, ganz die verantwortungsbewussten Vorbilder, die Sixth Former nun einmal sind, wild schaukelten und den Round-About (kp, wie das auf Deutsch heißt) okkupierten. Erneut, einige letzte Fotos, eine Gruppenumarmung, Verabschiedungen und schon stürmte ich die Straße hinunter, um meinen zeitigeren Bus bekommen zu können. 

Wenn es eine Sache gibt, die ich über diesen gesamten Tag sagen kann, dann ist es, dass es sich einfach nicht wie mein letzter Tag anfühlt. Ja, ich verabschiede mich und packe meinen Koffer, doch so richtig eingesunken ist es einfach noch nicht. 

Zuhause angekommen ging es erneut hektisch ans Kofferpacken und, da ich deutlich Übergewicht hatte (23kg sind aber auch wirklich gar nichts!), an die Zusammenstellung eines Pakets, welches Duncan und ich anschließend zum Co-op fuhren. In einigen Tagen dürfte das dann auch ankommen. Und glaubt mir, das ganze Hin- und Herpacken zwischen Koffer, Handgepäck und Paket war wirklich eine einzige Qual, ich bin nur froh, dass meine Gastfamilie am vorherigen Wochenende extra eine Handwaage gekauft hatte, sonst wäre dies ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.

 

Der perfekte Abschluss des Abends war die Idee, ein finales Mal zum lokalen Hatherley-Pub (ja, britischer geht’s kaum) zu gehen. Anfangs waren es nur Denise, Kiera und ich, doch schon bald kamen Thea und Duncan hinzu und sogar Damon war mit von der Partie, als er von der Arbeit kam. Unsere Gesprächsthemen waren weit gefächert, doch vor allem Politik schien immer wieder aufzutauchen, da ich sehr daran interessiert war, ihre Meinungen zu den General Elections vom Vortag zu hören. Damon und ich redeten außerdem über Wonder Woman (davon werde ich noch berichten!), ein echt guter Superhero-Film, meiner Meinung nach, und Fußball (er möchte doch tatsächlich Liverpool gegen Leipzig in der Champions League sehen). Außerdem bat ich um einige letzte Fotos, da nun schon einmal die gesamte Familie versammelt war, wovon einige echt gut wurden.

Gegen 11pm kehrten wir dann nach Hause zurück, wo wir uns alle sehr bald zu Bett begaben bzw. ich nun hier sitze und diesen Eintrag schreibe 😀.

Gute Nacht, England, ein letztes Mal!

PS: Fotos folgen sobald ich in De angekommen bin, da ich die auf dem Handy schlecht hochladen kann.